Alzheimer-Diagnostik im Gefüge der „globalen Symbiose“

Interview mit Dr. Ludger Dinkelborg, Geschäftsführer der Piramal Imaging GmbH

Herr Dr. Dinkelborg, im April hat der indische Großkonzern Piramal die Molecular-Imaging-Pipeline von Bayer HealthCare übernommen. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten?

Absolut! Wir betreiben Forschung und Entwicklung und bewegen uns damit in einem bekanntermaßen risikoreichen Geschäftsfeld. Da brauchen wir einen starken Partner, der langfristig an uns glaubt und uns die Möglichkeit gibt, dass wir uns auf unser Kerngeschäft fokussieren können. Die molekulare Bildgebung ist ein wichtiger Wegbereiter hin zur individualisierten Medizin und das passt sehr gut in das innovative Pharmaportfolio, das die Piramal-Gruppe nach dem Verkauf ihres Generika-Geschäftes aufzubauen begonnen hat. Mit Investitionen in die F&E wollen wir früher als bisher in die Wertschöpfungskette einsteigen.

Das Geschäftsmodell der Piramal-Gruppe verfolgt den Ansatz einer „globalen Symbiose“. Soll heißen: Entlang der gesamten Pharma-Wertschöpfungskette werden die jeweiligen Stärken der unterschiedlichen Regionen genutzt. Wofür steht der Standort Berlin?

Der Standort Berlin steht in dem Cluster-Gedanken der Piramal-Gruppe ganz klar für sein Know-how und seine lange Tradition im Bereich der Bildgebung: Hier wurde in den 30er Jahren das erste Kontrastmittel erfunden; hier gibt es Top-Personal und die Ausbildungssituation ist hervorragend, sowohl in den Unternehmen wie Bayer als auch in der akademischen Ausbildung. Mit Prof. Hamm vom Institut für Radiologie und Prof. Brenner von der Klinik für Nuklearmedizin haben wir gleich zwei Koryphäen auf dem Gebiet der molekularen Bildgebung an der Charité, die für uns ein wichtiger Partner für klinische Studien ist. Auch mit Prof. Steinhagen-Thiessen vom dort ansässigen Geriatrie-Zentrum arbeiten wir im Bereich der Alzheimer-Diagnostik eng zusammen. Hinzu kommen die vielen kleinen Unternehmen der Radiopharmazie, der Diagnostik und die vielen Dienstleister, welche die klinische Forschung unterstützen. Und natürlich ist Berlin einfach eine attraktive Metropole mit hoher Lebensqualität, in der man gerne arbeiten und leben möchte. Das hilft, internationale Fachkräfte zu rekrutieren.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt die Piramal GmbH in Berlin und wie sind die Perspektiven?

Derzeit arbeiten wir mit 14 Mitarbeitern, bis Jahresende können es gut 20 werden. Viele unserer Mitarbeiter sind von Bayer in die Piramal GmbH mitgegangen. Sie brennen für ihre Arbeit, die sie bei Bayer angefangen haben und nun weiter entwickeln wollen. Wir arbeiten in einem kleinen Experten-Team eng zusammen. Da sitzen dann Marketingleiter und Forscher an einem Tisch und tauschen sich aus, entwickeln Verständnis für das Denken des jeweils anderen und befruchten sich gegenseitig. Das ermöglicht ein schnelles und sehr flexibles Arbeiten. Auf der anderen Seite sind wir eingebettet in ein globales Pharmaunternehmen. Dort erhalten wir jederzeit die Unterstützung, die wir brauchen, um unsere Produkte erfolgreich über die Zulassung bis in die Vermarktung zu bringen.

Zum Produktportfolio gehört auch Florbetaben, ein PET-Radiopharmakon zum Nachweis von beta-amyloiden Ablagerungen im Gehirn. Noch in diesem Jahr soll der Antrag auf Zulassung bei der FDA und bei der EMA eingereicht werden. Stehen wir kurz vor dem Durchbruch einer frühzeitigen Diagnose von Alzheimer?

Ein klares Ja! Heute benötigt man je nach Zentrum bis zu drei Jahre, um Alzheimer klinisch zu diagnostizieren und auch das gelingt  immer nur mit einer gewissen „Wahrscheinlichkeit“. Es ist wichtig für die Patienten und deren Angehörige, diese Zeit bis zur Diagnose deutlich zu verkürzen und die diagnostische Genauigkeit zu erhöhen. Bisherige Studien zeigen, dass heute 20 bis 30% der Patienten klinisch falsch diagnostiziert werden. Eine genaue Diagnose, d.h. der Nachweis von beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn, kann bisher erst nach dem Tod nachgewiesen werden, beim Sezieren des Gehirns und damit leider zu spät. Mit Florbetaben haben wir in Phase-II-Studien diese Ablagerungen mit einer Sensitivität von 80 % und einer Spezifität von 91 % nachweisen können. Sofern wir die Zulassung erhalten – wir planen unser Dossier noch in diesem Jahr einzureichen – würde das schon einen echten Durchbruch für die Alzheimer-Diagnostik bedeuten.

Interview | Yvonne Küchler, September 2012

PD Dr. Günter Cichon, Charité - Universitätsmedizin Berlin

Dr. Ludger Dinkelborg, Piramal Imaging GmbH