Gemeinsam mit Ihrem Forscherteam entwickeln Sie an der Berliner Charité eine therapeutische Impfung zur schonenden Behandlung von Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses. Was ist das Neue an diesem Verfahren?
Ursache für die Entstehung von Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses (sog. Zervixdysplasien) sind chronische Infektionen mit Papillomaviren (HPV). Die Firmen Merck und GlaxoSmithKline haben zwei sogenannte prophylaktische Impfstoffe entwickelt (Gardasil<sup>R</sup> und Cervarix<sup>R</sup>), die recht zuverlässig Frauen vor einer Erstinfektion mit Papillomaviren schützen. Allerdings haben diese beiden Impfstoffe bei Frauen, die sich bereits mit HPV infiziert haben, leider keinerlei therapeutische Wirkung.
Und genau hier setzen Sie mit Ihrem Verfahren an?
Ja! Denn Ziel unseres Ansatzes ist es, durch eine künstliche Infektion mit einem harmlosen Schnupfenvirus die relative Passivität des Immunsystems gegenüber der HPV-Infektion zu überwinden und auf diese Weise eine Abheilung der Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals einzuleiten. Die dabei genutzten Schnupfenviren können sich im Körper der Frau nicht mehr vermehren, so dass keine gesundheitlichen Gefahren bestehen. Das therapeutische Virus trägt in seinem Genom humane PV-spezifische Impfgene und lenkt durch seine eigene Immunogenität und zusätzlich durch die Expression spezifischer Impfgene die Aufmerksamkeit des Immunsystems auf HPV-infizierte Zellen. Unser Vorhaben ist der erste Versuch durch eine lokale künstliche Infektion die chronifizierte Papillomavirusinfektion im Bereich des Gebärmutterhalses zur Abheilung zu bringen. Die Impfung wäre damit eine kostengünstige und vor allem schonende Alternative zu den bisher üblichen operativen Eingriffen. Immerhin werden jährlich bei bis zu 100.000 Frauen Krebsvorstufen des Gebärmutterhalses operativ entfernt.
Unterstützt wird Ihr Forschungsvorhaben über die Validierungsförderung VIP des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Welchen Meilenstein erreichen Sie damit und wie soll es danach weitergehen?
Die erfolgreiche Anwendung unseres Vorhabens wäre nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Frauengesundheit, sondern könnte helfen, das große therapeutische Potenzial dieses vielseitig verwendbaren Transfersystems auszubauen und auch in anderen Indikationsbereichen zum Einsatz zu bringen. Dieses Potenzial hat auch das BMBF erkannt. Die Förderung ermöglicht, in einem ersten Teil der Arbeiten die therapeutischen Viren unter GMP-Bedingungen zu produzieren, das Applikationsprotokoll zu optimieren und die genehmigungsrechtlichen Schritte abzuschließen. Nach dieser Vorbereitungsphase von 24 Monaten kann mit der Machbarkeitsprüfung im Rahmen der Durchführung einer klinischen Phase Ib/IIa begonnen werden, für deren Umsetzung 12 Monate geplant sind. Sollten wir diese erfolgreich abschließen, brauchen wir für die Herstellung und Verwertung der Impfung einen starken industriellen Partner. Erste Interessenbekundungen sind bereits vorhanden. Dabei setzen wir auch auf das regionale Netzwerk in Berlin-Brandenburg, uns bei diesem Prozess zu unterstützen.
Vorausgesetzt das therapeutische Prinzip und die Partnersuche erweisen sich als erfolgreich: Wann schätzen Sie, wird die Impfung den Patientinnen zur Verfügung stehen?
In etwa sechs bis zehn Jahren.
Wir wünschen viel Erfolg und danken für das Interview!


